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Folklore - Leserwertungen

 Leserwertungs-Überblick:
Leserwertungen vorhanden: 1
Maximale Punktzahl: 7.6
Minimale Punktzahl: 7.6
Leserwertungsschnitt: 7.6
7.6
 
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Leserwertung von Guybrush Threepwood
[11-04-2009 21:58] 
Das Dorf Doolin an irgendeiner Küste in Irland: Ellen, eine junge Waise, erhält einen Brief von ihrer toten Mutter, die sie dort treffen will. Keats, ein Journalist für ein okkultes Käseblatt, reist wegen eines mysteriösen Anrufs in den isolierten Ort. Beide kommen gleichzeitig an und müssen mitansehen, wie eine Frau, Ellen glaubt, es sei ihre Mutter, eine Klippe runterstürzt. Die Aufklärung des Todesfalls lässt sie eine Reise in die Unterwelt, das Reich der Fareys und Folks beginnen, jeder für sich, aber ihre Schicksale bleiben miteinander verwoben.

Der Spieler muss sich zwischen Ellen und Keats entscheiden, und das nach jedem Kapitel. Beide durchstöbern das Dorf tagsüber und nachts, und suchen nach einem neuen Hinweis, der ihnen Zugang zur Unterwelt und Wissen über eine dunkle Zeit der Dorfgeschichte gewährt. Eine zentrale Rolle nimmt dabei der örtliche Pub ein, der, wohl ohne Wissen des Besitzers, rund um die Uhr offen hat. Wenn der Wirt sein Geschäft gschlossen wähnt, gehen dort die Folks einen trinken. Aber ob nun Folk oder humanoider Ire, das Spiel gleicht in der echten Welt einem simplen Adventure ohne Rätsel. Man läuft herum und schwatzt mit den Figuren. In der Unterwelt wird auch geredet, aber die meiste Zeit über ist man mit dem Bekämpfen und Sammeln von Folks beschäftigt. Wer Kameo oder Lost Kongdoms kennt, versteht das Prinzip sofort. Ellen und Keats kämpfen nicht selbst, sondern beschwören Folks, die für sie die Drecksarbeit erledigen. Besiegt man ein Folk, oder lässt es besiegen, kann man seine Seele absorbieren. Dazu muss man dank Bewegungssensoren unter vollem Körpereinsatz die Seelen aus den Folks ziehen und rütteln. Was nun genau gefordert ist, erkennt man an der Farbe der Seele. Die geforderten Manöver sind vielseitig und die Bewegungsabfrage ist sauber, ja, es gebührt trotz aller Wii-Spiele Sony die Ehre, das erste Mal ein komplexes System verschiedener Bewegungen dem Spieler so zu vermitteln, dass er mühelos und intuitiv in der Hitze des Gefechts den geforderten Move ausführt.

Die mannigfachen Fähigkeiten der Folks verleihen den Kämpfen Tiefe und wecken den Sammeltrieb. Das ist auch bitter nötig, denn sonst bietet das Spiel nichts. Die Level haben eine quadratische Architektur, in der sich Raum an Raum reiht. Rätsel gibt es fast nicht. Dafür Atmosphäre. Viel Atmosphäre. Wenn Ellen tagsüber begleitet von trauriger Musik und von der Sonne durch eine löchrige Wolkenschicht beschienen durch die heruntergekommene Ortschaft läuft und dabei ihre Jacke wegen der Kälte zuhält, ist man von der Melancholie, die über allem liegt, gebannt. Keats hingegen, die Hände lässig in den Taschen, vermittelt eine skeptische Distanz zu dem Hokospokus, den er um sich rum wittert. Selbst wenn er mit einer Banshee spricht.

Die Level in der Unterwelt, durch die Ellen in besonderer Kleidung und Keats normal gekleidet streifen, sind zum größten Teil ebenfalls fantastisch gestaltet. Mal zauberhaft, mal erschreckend. Mit einer zeitgemäßen Grafik wäre das alles noch viel schöner, aber Folklore ist, abgesehen von der Ausleuchtung, technisch schwach. Dass die Schatten nachts nicht von den Laternen beeinflusst werden, fast lachhaft, wenn man an den Dreamcast-Klassiker Shenmue denkt. Die Tonkulisse passt immer zum Geschehen und trägt viel zur Dichte Folklores bei. Die deutsche Sprachausgabe schwankt zwischen dilletantisch und durchschnttlich, offenbar wurde keine vernünftige Dialogregie betrieben und die Sprecher mussten am Text erraten, welche Stimmung ihre Figur hat. Da ist es fast toll, dass die meisten Dialoge nur in Textboxen stattfinden, begletet von animierten 3D-Porträts, denen es aber an Ausdruck mangelt, sind die Animationen immer dieselben.

Folklore bezaubert mit seinem professionellen, teilweise künstlerischen Design trotz aller Mängel, und lange wäre es für mich ein Kandidat für eine hohe 8er Wertung gewesen, wenn nicht, ja wenn nicht folgendes passiert wäre: Ich wollte das Spiel zuerst mit Ellen durchspielen und ignorierte Keats jedesmal im Auswahlbildschirm. An einem von Spannung kaum zu überbietenden Moment aber versagte man mir das Weiterspielen. Erst musste ich Keats zum selben Moment weiterspielen. Und was musste ich dann sehen? Keats durchwandert genau dieselben Level wie Ellen, nicht ein Raum ist anders! Nur die Monster sind verschieden, glücklicherweise so sehr, dass man wirklich ganz anders kämpfen muss. Und Keats kann sich, nach genug besiegten Gegnern, verwandeln und selbst mit kloppen. Aber ich musste trotzdem zweimal dasselbe Spiel spielen, um es einmal durchzuspielen! Die Folge war eine große Ernüchterung, die spannende Mystery-Kriminalgeschichte ließ mich aber dran bleiben. Viele Fragen, die mit Ellen unbeantwortet blieben, löste Keats. Und das Finale entschädigte schließlich für vieles. Folklore ist ein Spiel für Erwachsene, weil es eine kluge und düstere Geschichte erzählt, nicht, weil Gliedmaßen fliegen.

Wer gerne mal was neues ausprobiert und keine Angst vor ruhigen Spielen hat, sollte Folklore eine Chance geben. Mir hat es trotz unterirdischem Leveldesign (das man sich, man kann es nur wiederholen, zweimal!, antun muss) wirklich sehr gut gefallen. Eine höhere Wertung ist aber bei aller Liebe leider nicht drin gewesen.
  7,6 / 10

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