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Tales of Zestiria (PS4)

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Das Kampfsystem vertraut abermals auf ein Link-System, wenngleich ihr dabei nun die ganze Gruppe mit eurer Wahl beeinflussen könnt. Mit den vier Elementaren könnt ihr Stärken und Schwächen ausnutzen und euch die verschiedenen Kampfstile mit eurem verbundenen Partner zurechtlegen. Relativ früh im Spiel könnt ihr dann auch mit eurem Elementarpartner fusionieren und euch stärkere Arte in dieser Form aneignen. Der Neuigkeitswert des Kampfsystems ist sehr gelungen und bringt frischen Wind ins Geschehen. Mit rund 50 Stunden Spielzeit für den ersten Durchgang samt optionalen Standardmissionen ist Zestiria zwar nicht das längste aller Tales-Spiele, doch auch dieses Mal gibt es tonnenweise optionalen Content wie Bosse und Dungeons, einen 4-stündigen Story-DLC, einen Bonusdungeon und natürlich den Grade Shop mit unzähligen Herausforderungen für die weiteren Spieldurchgänge.

Technisch ist Tales of Zestiria abermals kein Meisterwerk. Die Polygone der Weltdarstellung wirken verschommen und haben keinen einzigartigen Stil wie es beispielsweise bei Vesperia oder Graces war. Vielmehr sehen die Tales mit der aktuellen Engine seit Xillia immer gleich aus und das langweilt mittlerweile. Das Besondere fehlt vom Artstyle definitiv und die Optik ist völlig ersetzbar geblieben. Zudem wirkt die groß angelegte Spielwelt an einigen Stellen leer, repetitiv und langweilig. Das gilt natürlich nicht für die Charaktere und deren unglaubliche Anpassungsvielfalt für Kostüme, Accessoires und Frisuren. Noch nie hat es so viel Spaß gemacht die Charaktere in einem Tales persönlich zu gestalten. Aus der PS4-Version hat man nicht sonderlich viel rausgeholt. Zwar bekommt man eine Full HD-Auflösung spendiert und auch die Framerate ist stabil, doch das fehlende Anti-Aliasing bei den Schatten lassen doch zu Wünschen übrig. Die Effektzauberei bei den Kämpfen wirkt gewohnt gut, doch die Kamera macht oftmals Probleme. In engen Arealen versucht sie auszuweichen, kann es aber nicht und zeigt dem Spieler entsprechend nur noch einen Abschnitt des Kampfgeschehens - wenn überhaupt. Blinde Drückerei in der Hoffnung, dass man den Kampf irgendwie übersteht, ist das Resultat dieses fatalen Problems. Es rührt daher, dass das Kampfgeschehen genau dort stattfindet, wo ihr auf den Gegner getroffen seid. Es wird keine freie Arena erzeugt, sondern ihr kämpft so beispielsweise verteilt in zwei Räumen eines Dungeons, bei der Charaktere und Gegner gleichermaßen an dem dünnen Türdurchgang scheitern und oftmals gar nicht in das Kampfgeschehen eingreifen können. In der Hinsicht scheitert die KI auch gnadenlos, wenngleich man anmerken muss, dass solche Situationen nicht allzu oft vorkommen und das einzig große, technisch bedingte Manko am Spiel sind. Das Spiel überzeugt dafür mit einem herausragenden Soundtrack inklusive englischen Songs und speziellen Stücken, die in jeder Situation eine sehr gute Begleitung darstellen und das Spiel zusammen mit den Charakterunterhaltungen zum Leben erwecken.

Inhaltlich kann man sicherlich kritisieren, dass ein Hauptcharakter früh im Spiel die Party verlässt und man den - nach einem Monat nicht mehr kostenlosen - DLC spielen muss, um die Geschichte dahinter zu erfahren. In Japan als Unding kritisiert, spielt das aufgrund des inkludierten bzw. sofort erhältlichen DLCs eine untergeordnete Rolle, wenngleich die bewusste Designentscheidung unschön ist.

FAZIT

Tales of Zestiria ist ein typischer Ableger der Serie, der sich in neue Gefilde traut und viel Mut beweist. Neben einer halboffenen Spielwelt und einem neuartigen Kampfsystem wirkt das Spiel erfrischend und legt die strengen Ketten des Vorgängers ab. Zwar kann man viel Spaß mit Tales of Zestiria haben, egal ob Fan der Serie oder Fan des Genre, doch die verpassten Möglichkeiten hinterlassen einen faden Beigeschmack. Mindestens die technische Komponente hätte man in der langen Lokalisierungsphase trotz Portierung regeln können. Dennoch bietet das neueste Tales mal wieder das, was erwartet wurde und das wird den meisten Fans auch genügen. Doch wenn die Serie einen größeren Anspruch entwickeln möchte, sollte man sich mehr trauen und auch mehr Risiko bei der Entwicklung eingehen, um ein erneut einzigartiges Tales-Spiel abzuliefern, wie es nun schon seit längerer Zeit nicht mehr erschienen ist. Zestiria ist ein gutes Rollenspiel, das man nicht verpassen sollte, wenn man japanischen Rollenspielen etwas abgewinnen kann, doch da wäre mehr drin gewesen.

Daher für Einzelspieler und im Mehrspielermodus gut bis sehr gut.
 Autor:
Dominic Ruthardt
Testbericht
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Leserwertung:
8.5